Laugavegur

Der Laugavegur ist mit Sicherheit der bekannteste Trek Islands und zählt auch weltweit zu den ganz großen Klassikern.

Normalerweise geht man ihn von Landmannalaugar nach Þórsmörk – und das hat gute Gründe. Man wandert nicht nur von Norden nach Süden, sondern auch von oben nach unten. Die Höhe von Landmannalaugar liegt bei etwa 600 m ü. M., während Þórsmörk auf rund 200 m liegt. Außerdem steigt man in der ersten Etappe in dieser Richtung zunächst voller Energie auf etwa 1100 m auf. Man kann also sagen: jeder Schritt geht gefühlt ein kleines Stück bergab. Das klingt nicht nach viel, summiert sich aber enorm.

Dazu kommt, dass man ständig leicht nach unten blickt – aus touristischer Sicht ist diese Richtung also deutlich interessanter und visuell beeindruckender.

Ein weiterer Punkt ist der Wind, der meist von Norden nach Süden weht. Man läuft also mit Rückenwind.

Und je tiefer man kommt, desto wärmer wird es auch. Gerade im isländischen Hochland, wo es selbst im Sommer kühl ist, ist das ein echter Komfortgewinn.

Von Norden nach Süden zu gehen ist also bequemer, leichter, angenehmer und optisch schöner – kein Wunder, dass die meisten genau diese Richtung wählen.

Da ich den Laugavegur in beide Richtungen gegangen bin, gibt es jedoch einen guten Grund, auch die umgekehrte Variante zu erwägen.

Für gut trainierte Abenteurer hat die Richtung von Süden nach Norden einen besonderen Reiz. Man startet in Þórsmörk, einer bereits beeindruckenden, wilden Region unter den Gletschern Eyjafjallajökull und Mýrdalsjökull – aber vermutlich habt ihr in eurem Leben schon Ähnliches gesehen. Je weiter man jedoch nach Norden kommt, desto surrealer wird die Landschaft, bis man irgendwann fast zweifelt, ob man noch auf der Erde ist oder in einer Star-Wars-Welt gelandet ist.

Nach allen Strapazen – Gegenwind, Kälte und einer letzten Etappe mit einem steilen 300-Meter-Anstieg – folgt als Belohnung der Abstieg in die Region der Regenbogenberge, wo die Erde kaum noch wiederzuerkennen ist.

Am Ende der Reise könnt ihr euch dann so lange ihr wollt in einem geothermalen Fluss entspannen.

Ein altes Sprichwort sagt: Wer vorbereitet ist, wird nicht überrascht. Besonders wenn ihr in den Hütten übernachten wollt, solltet ihr eure Plätze idealerweise sechs Monate im Voraus reservieren. Inzwischen gilt das offenbar auch schon für Campingplätze. Planung und frühzeitige Buchung sind also entscheidend.

Was ihr für einen viertägigen Trek mit wechselhaftem Wetter, Flussdurchquerungen, kaum Trocknungsmöglichkeiten und nur sehr begrenzter Versorgung unterwegs mitnehmen müsst – das solltet ihr im Grunde selbst wissen.

Gehen wir gemeinsam die Route durch, damit ihr wisst, worauf ihr euch einlasst.

Etappen (von Norden nach Süden)

LandmannalaugarHrafntinnusker (12 km, +515 m, 0 Flussquerungen)

Wir durchqueren die Regenbogenberge und steigen rund 500 Höhenmeter auf. Unterwegs gibt es einige kurze, etwas anspruchsvollere Passagen, insgesamt ist die Strecke aber relativ einfach und ohne Flussquerungen.

Hrafntinnusker ist ein rauer Campingplatz, oft liegt hier bis in den Juli hinein Schnee. Er ist zudem sehr exponiert, sodass man Wind und Wetter ungeschützt ausgesetzt ist. Von hier an wird die Route jedoch einfacher.

HrafntinnuskerÁlftavatn (12 km, −550 m, 2 Flussquerungen)

Zu Beginn verläuft die Strecke mehrere Kilometer nahezu flach. Hier kommt die erste Flussquerung, bei der viele erstmals die Schuhe ausziehen – einige springen auch einfach darüber.

Danach folgt ein Abschnitt mit etwa 300 Höhenmetern Abstieg auf nur zwei Kilometern. Die Landschaft ist hier so beeindruckend, dass sie kaum in Worte zu fassen ist.

Direkt darunter überquert man den ersten größeren Fluss Grashagakvísl (knietief), meist mit einem gespannten Stahlseil zur Hilfe.

Die Farben der Landschaft verschwinden langsam, und Grün dominiert.

Danach folgt eine ruhige, mehrere Kilometer lange Strecke bis nach Álftavatn.

ÁlftavatnHvanngil (4 km, +20 m, 1 Flussquerung)

Eine kurze Etappe, die viele entweder mit der vorherigen oder der nächsten kombinieren. Die Flussquerung ist relativ einfach (knietief).

HvanngilEmstrur-Botnar (12 km, −100 m, 1 Flussquerung)

Wahrscheinlich die langweiligste Etappe der gesamten Wanderung – vieles habt ihr bereits gesehen, kaum Neues kommt hinzu. Der Großteil ist flach, am Ende gibt es einen steileren Abstieg. Ein längerer Abschnitt verläuft parallel zur Straße F261. Die Flussquerung ist knietief, wirkt aber unkompliziert. Eine weitere Brücke steht zur Verfügung.

Emstrur-BotnarÞórsmörk (15 km, −200 m, 1 Flussquerung)

Eine Belohnungsetappe mit vielen Kurven und Überraschungen. Immer wieder verlasst ihr den Weg für kurze Abstecher zu Aussichtspunkten, die nur 100 Meter entfernt liegen. Selbst wer Island gut kennt, wird hier noch überrascht – etwa vom Canyon des Flusses Fremri-Emstruá (mit Brücke), der fast unwirklich wirkt.

Die Flussquerung ist knietief, der Fluss wirkt jedoch kraftvoll und respektgebietend.

Danach geht es durch das Buschland hinein nach Þórsmörk – und der Rest liegt bei euch.

Viel Glück und viele schöne Kilometer!

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