Laugarvatnshellir ist ein Paar künstlich geschaffener Höhlen in der Nähe des Sees Laugarvatn im Süden Islands. Die Höhlen wurden in weiches Gestein gehauen und dienten lange Zeit vor allem als Unterschlupf und Stall für Schafe, von denen der Überlieferung nach mehrere Hundert darin Platz fanden.

Wer die Höhlen ursprünglich angelegt hat, ist nicht ganz klar, und es wird sogar spekuliert, dass es irische Mönche gewesen sein könnten, noch vor der wikingerzeitlichen Besiedlung Islands. Diese sollen nach einigen Theorien im Rahmen ihrer religiösen Reisen in Lederbooten nach Island gesegelt sein.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Höhlen jedoch zu einem echten Zuhause für zwei isländische Familien. Das erste Paar, Indriði Guðmundsson und Guðrún Kolbeinsdóttir, ließ sich hier 1910 nieder und lebte elf Monate lang darin. Die zweite Familie, Jón Þorvarðarson und Vigdís Helgadóttir, hielt es deutlich länger aus und bewohnte die Höhlen von 1918 bis 1922. Zwei ihrer drei Kinder wurden sogar genau hier in der Höhle Laugarvatnshellir geboren. In einem Teil der Höhle lebten die Schafe und in dem anderen die Menschen. Ein einfaches System der Luftzirkulation sorgte dafür, dass die Menschen zumindest eine grundlegende Wärme hatten, die von den Schafen im benachbarten, tiefer gelegenen Raum erzeugt wurde.

Interessant war auch die Art der Wassergewinnung. Das Wasser sickerte durch das weiche Gestein, und an einer Stelle, an der es tropfte, fingen die Bewohner es in Gefäßen auf. So hatten sie zwar eine langsame, dafür aber sehr zuverlässige Quelle für gutes Trinkwasser.

Da wir uns auf Island befinden, wird es Sie sicher nicht überraschen, dass sich um Laugarvatnshellir auch eine Reihe lokaler Sagen über Elfen rankt, die in den Höhlen gelebt haben sollen. Eine davon erzählt von einem Hirten, dessen Schafe sich weigerten, die Höhle zu betreten, und der schließlich seltsamen Kräften im Inneren erlag. Diese sollen ihn über den Boden geschleift und ihn schließlich dazu gebracht haben, samt seinen Schafen wegzugehen. Kurz darauf traf die Gegend ein mehrtägiger Schneesturm, während dessen er in der Höhle wahrscheinlich ums Leben gekommen wäre.

Die Höhlen von Laugarvatnshellir wurden 2017 restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – als Erinnerung an die ungewöhnliche Lebensweise auf dem isländischen Land zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

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